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Thema 5

 

4.5 Je höher desto besser!?

 

- Frage: Werden die Menschen im Laufe ihres Lebens immer „moralischer“ und urteilen sie mit zunehmender Entwicklung nach immer höherstehenden moralischen Kriterien?

- nach K. Vorstellungen ist das letzte/höchste Kriterium ein umfassendes Gerechtigkeitsprinzip (etwa nach Rawls, 1971) d.h. je höher die moralische Stufe eines Individuums ist, desto differenzierter und komplexer ist das Urteil (nicht unbedingt das Handeln!) aber auch reversibler und gerechter, und desto weniger Menschen seiner Umwelt haben unter dem Egoismus dieses Individuums zu leiden

- empirisch konnte mehrfach nachgewiesen werden, daß der Stufenanstieg mit dem Lebensalter zusammenhängt (Rest, 1974)

- Ausnahme: das Problem der „ Retrogression“

in einer berühmt gewordenen Längsschnittuntersuchung (Kramer, 1968; Kohlberg & Kramer, 1969) von Jugendlichen zwischen High School (durchschnittliches Alter 16,9 Jahre) und College(19,11) wurde festgestellt, daß ein Teil der Vpn die offensichtlich die Stufe 4 erreicht hatten, plötzlich wieder Argumente der Stufe 2 gaben

 

- K. interpretierte diese Retrogression so: es handelt sich um eine Konfusion von gewöhnlichem Denken und den Anfängen eines Denkens nach Prinzipien, d.h. ein Individuum erkennt die gesellschaftlichen Normen und wird sich bewußt, daß sie auf bestimmten Prinzipien aufbauen sollten

-es ist damit aber noch nicht auf Stufe 5, da es sich solchen Prinzipien gegenüber noch nicht verpflichtet fühlt und daher gerne materialistisch und egoistisch argumentiert was der Stufe 2 entspricht

 

- K. modifizierte seine Theorie und führte daraufhin eine sogenannte Stufe 4 ½ ein (1972 a)

 

- andere Forscher z.B. Gibbs (1979) schlugen vor, die erwachsene Moralität nicht nach logischen, sondern nach existentiellen Dimensionen zu beschreiben

- mit zunehmendem Alter zählen weniger allgemeine Prinzipien , sondern mehr konkrete (persönliche) Einzelfälle wie Krankheit, Liebe, Verantwortung und Tod

-Gibbs Idee war, daß das einer Vpn vorgelegte Dilemma für diese evtl. gar nicht von existentieller Bedeutung ist (sog. Problem der Verhältnismäßigkeit)

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